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Armin_Experiment

KartenExperiment im Zug

Das Experiment soll zeigen, wie Pendler reagieren, wenn sie von anderen Pendlern persönliche Informationen bekommen.

Setting

Das Experiment wurde am 30.9.2011 zwischen 10.30 und 13.00 auf der Strecke Zug-Zürich-Zug durchgeführt. Ich habe bewusst nicht die Zeiten früh morgens und spät abends gewählt, damit die Züge nicht prallvoll sind und sich die Zugfahrenden entspannter auf das Experiment einlassen können und sich nicht ausgestellt fühlen und alle drumherum mithören. Bei der vor dem Experiment stattgefundenen Befragung hat sich die mithörende Umgebung ja auch als hemmender Faktor gezeigt.

Inhalt

Die Versuchsperson (Zugfahrende/Pendler) erhält 6 verschiedene (vorher vorbereitete) Karten, Der Versuchsperson wird gesagt, es handle sich bei den 6 Karten um persönliche Karten von Mitreisenden. Das ist wichtig, um die Reaktion zu untersuchen. Eine Karte hat 2 Seiten. Auf einer Seite ist etwas Gestalterisches aufgebracht, auf der zweiten Seite steht eine persönliche Antwort auf eine Frage. Die Versuchsperson erhält eine Erklärung was auf den Karten zu sehen ist und erfährt, dass die Karten von anderen Pendlern - die sich gerade auch im Waggon befinden - sind. Weiter erhält die Versuchsperson ein Beiblatt, dass Fragen und Aufforderungen enthält was mit den Karten/im Experiment zu tun ist. Nachdem die Versuchsperson das Experiment beendet hat, wird ein Interview dazu durchgeführt.

Vorbereitung

Ich habe 5 MA Studierende gebeten eine Karte nach folgenden Vorgaben zu erstellen. Seite 1: Bitte male/zeichne/kreiere eine persönliche Seite. Es kann etwas Spontanes, etwas, das Dir etwas bedeutet sein. Die Seite muss nichts mit Zugfahren zu tun haben. Seite 2: Bitte wähle aus den folgenden Fragen eine aus und beantworte diese auf Seite2. Falls Dich keine Frage anspricht, darfst Du Dir eine eigene stellen. Fragenauswahl: 1)      Wo würde Dein Zug hinfahren, wenn Du frei wählen könntest? Sagst Du uns warum? 2)      Hast Du etwas, das Du nicht mehr brauchst? Was davon könntest Du im Zug verkaufen? 3)      Wann hast Du zum letztenmal etwas Kreatives/Aussergewöhnliches/Verrücktes gemacht? Erzähl bitte davon. 4)      Was müsste jetzt im Zug jemand tun, um Dich zum Lachen zu bringen? 5)      Was kannst Du besonders gut? Beschreib bitte kurz. Die von den MA Studierenden kreierten Karten waren eher anspruchsvoll. Ich hatte etwas Bedenken, dass sie nicht einen Durchschnitt der Pendlermasse zeigen. Daraufhin machte ich selber noch eine eigene etwas einfachere, zusätzliche Karte (Karte 2). Somit stehen 6 Karten für den Test bereit. Die Frage wurde jeweils von mir auf Seite 2 notiert und die Antwort darunter von den MA Studierenden. Die von 6 MA Studierenden gestalteten Karten mit jeweils der Seite 1 oben und Seite 2 unten. Karten-Identifikation: von links nach rechts Karten 1 bis 6.

Fragen nach dem Experiment

Fragen zum Experiment 1)      Wie ging es Dir im Experiment? 2)      Was gind durch Deinen Kopf als Du wusstest, dass die Karten von Anwesenden sind? 3)      Hat Dir eine Karte besonders gefallen? Welche? Warum? Hast Du eine Frage/Nachricht dazu aufgeschrieben? 4)      Wie findest Du es so einen Blick in andere Pendler zu bekommen? 5)      Stell Dir vor Du fährst morgen wieder mit diesem Zug und den gleichen Pendlern. Hat sich etwas verändert? Was? 6)      Hast Du eine eigene Karte gemacht? Darf ich Sie behalten und anderen Pendlern zeigen, so wie Dir jetzt? Je nachdem, ob es die Situation/Zeit erlaubt, werde ich noch folgende Fragen zur Zugfahrt generell stellen. 1)      Was machst Du normalerweise im Zug? 2)      Pendelst Du? Strecke? 3)      Gibt es Personen, die Du immer wieder siehst auf Deiner Strecke? 4)      Hattest Du schon einmal Kontakt zu Fremden? Wie lief das ab?

Durchführung

Ich stellte mich am Bahnhof an ein Ende des Gleises, so dass mich nicht sehr viele Reisende schon vor dem Einsteigen bemerkten. Dies war wichtig, damit ich vorgeben konnte schon länger im Zug zu sein und die Karten von anderen Pendlern erhalten zu haben. Ich suchte Personen aus, die neben sich etwas Platz hatten und deutsch sprachen, damit die Durchführung einfacher war. Während der Experimente habe ich die Versuchpersonen jeweils mit der Handykamera gefilmt. Während den nachfolgenden Interviews war dies nicht möglich, da ich die Durchführung alleine machte und während der Befragung Notizen machte.

Einführung vor dem Experiment für die Versuchspersonen:

„Ich arbeite an einem Designprojekt zur Kommunikation im Zug. Darf ich ein paar Minuten Deiner/Ihrer Zugfahrt nutzen für mein Projekt? Ich hab hier 6 Karten auf denen jeweils vorne ein Bild gezeichnet ist und hinten eine Antwort zu einer Frage steht. Jede Karte kommt von einem Pendler hier im Zug. (man hört das *schluck* des Interviewten). Das Bild und der Text sind persönlich von diesem Pendler. Ich möchte Dir/Ihnen diese Karten nun geben und Dich/Sie bitten sich diese anzuschauen und für Dich/Sie selber die Fragen auf dem beigeleten Blatt zu beantworten. Ich werde mich wieder hinsetzen und einfach nur zuschauen. Wenn Du/Sie fertig bist/sind, würd ich gerne mit Dir/Ihnen über das Experiment reden. Darf ich währenddessen Fotos/Film von der Situation machen?“ Beiblatt (A5) für die Versuchsperson Ich hatte 2 verschieden lange Versionen des Beiblatts vorbereitet. Es hat sich während des 1. Experiments gezeigt, dass die Aufforderung eine eigene Karte zu zeichnen zu spontan war und auch zuviel Zeit in Anspruch genommen hätte, so dass ich danach die kurze Version abgegeben habe, aber im Interview dann nachgefragt habe, ob die Versuchsperson gerne eine eigene Karte machen möchte.

Während dem Experiment

[Filme + Kommentar], leider habe ich es noch nicht geschafft in den Schneidprogrammen das Video mit der Audio-Spur zu synchronisieren. Auf dem Server liegen 3 Screenshots der Versuchspersonen. Weiter folgt weiter unten die Auswertung schriftlich. filer:\MDE\FoE_Interaktion\MA Projekte 2011\Semester 2\Armin\ Files: KartenExperiment_Person1a.jpg, KartenExperiment_Person2.jpg, KartenExperiment_Person3_4a.jpg

Interview nach dem Experiment

Versuchsperson 1: Frau, ca 55-60 Jahre alt, Zeitdauer ca. 20 Minuten Fragen zum Experiment 1)       Wie ging es Ihnen im Experiment? „Es war überraschend, es ging mir gut, es war interessant.“  2)       Was gind durch Ihren Kopf als Sie wussten, dass die Karten von Anwesenden sind? „Es wäre interessant diese Personen kennenzulernen. Aber im Moment hätte ich keine Lust aufzustehen und nach diesen Leuten zu suchen. Ich war sehr erstaunt, dass Leute im Zug solche Texte schreiben.“ Anmerkung: Die Frau fragte mich während des Experiments mehrmals ob nicht ich selbst die Texte geschrieben hätte. 3)       Hat Ihnen eine Karte besonders gefallen? Welche? Warum? Haben Sie eine Frage/Nachricht dazu aufgeschrieben? „Die Karte mit dem Baum hat mich angesprochen, sie passt sehr gut zum Herbst. Eine Frage habe ich nicht. So spontan fällt mir jetzt auch nichts ein, dass ich selber auf eine Karte schreiben könnte.“ 4)       Wie finden Sie es so einen Blick in andere Pendler zu bekommen? „Spannend! Ich kann mir gut vorstellen, dass das etwas wäre für meine Töchter. Die pendeln Luzern-Zürich und Luzern-Bern.“  5)       Stellen Sie sich vor Sie fahren morgen wieder mit diesem Zug und den gleichen Pendlern. Hat sich etwas verändert? Was? „Es würde mich schon wunder nehmen wer was geschrieben hat. Ich kann mir gut vorstellen, dass etwas ensteht. Lächeln, fragen und vielleicht ein Gespräch.“ 6)       Hast Du eine eigene Karte gemacht? Darf ich Sie behalten und anderen Pendlern zeigen, so wie Dir jetzt? Nein, schon in 3) beantwortet. Generelle Fragen: 1)       Was machen Sie normalerweise im Zug? „Lesen rausschauen, meditieren, manchmal ergeben sich ganz gute Gespräche.“ 2)       Pendeln Sie? Strecke? „Ich habe das GA und fahre frei nach meinen Wünschen. Ich pendle also nicht.“ 3)       Gibt es Personen, die Sie immer wieder sehen auf Ihrer Strecke? „Manchmal, ja.“   4)       Hatten Sie schon einmal Kontakt zu Fremden? Wie lief das ab? „Es gibt immer mal wieder Gelegenheiten, ich bin offen und manchmal entstehen gute Gespräche. Man sieht oder spürt ja, ob das Gegenüber Lust hat auf einen Austausch hat oder sich abschottet.“ Versuchsperson 2: Frau, ca 35 Jahre alt, benutzt kein Smartphone, Zeitdauer ca. 25 Minuten Fragen zum Experiment 1)      Wie ging es Dir im Experiment? „Ich verstehe die Frage bezüglich des Verhaltens der Leute im Zug, weil für mich das auch nicht gut ist so.“ Text-Ausschnitt aus Video: „...weil Leute trübselig sind. Vor und nach der Zugfahrt leben sie aber während der Zugfahrt sind sie blockiert...es gibt diese Verhaltenskodexe: man hat nicht zu laut zu lachen, man hat nicht zu laut zu reden, nicht andere zu bedrängen...man hat einfach nur dazusitzen und vor sich hin (in den Boden) zu schauen , vor sich hin zu vegetieren, dabei ist es doch eigentlich etwas Schönes von A nach B zu reisen.“  2)      Was gind durch Deinen Kopf als Du wusstest, dass die Karten von Anwesenden sind? „Zuerst dachte ich, dass ich jetzt auch so eine Karte ausfüllen muss. Das hätte mich überfordert, aber mit etwas mehr Zeit wäre es ok, eine auszufüllen.“  Die Fraue schaut umher, ob sie die Personen erblickt, möchte aber nicht aufstehen. 3)      Hat Dir eine Karte besonders gefallen? Welche? Warum? Hast Du eine Frage/Nachricht dazu aufgeschrieben? „Die Karten mit den Gesichtern hat mir gut gefallen. Da gibt’s überhaupt keine lachenden Gesichter, das passt ganz gut.“ 4)      Wie findest Du es so einen Blick in andere Pendler zu bekommen? „Spannend! Für mich waren die Karten aber zu ähnlich. Ich hätte gerne mehr Facetten in den Karten.“  1)      Stell Dir vor Du fährst morgen wieder mit diesem Zug und den gleichen Pendlern. Hat sich etwas verändert? Was? „Dann würde ich aber selber eine Karte machen wollen!“ 2)      Hast Du eine eigene Karte gemacht? Darf ich Sie behalten und anderen Pendlern zeigen, so wie Dir jetzt? Nein, war ihr zu spontan, siehe aber 5) Generelle Fragen: 1)      Was machst Du normalerweise im Zug? „Ich höre Musik, benutze mein Skizzenbuch, lese, habe Gespräche...ich rede gerne.“ 2)      Pendelst Du? Strecke? „Ja, ich pendle von Luzern nach Zürich...aber zu unterschiedlichen Zeiten.“ 3)      Gibt es Personen, die Du immer wieder siehst auf Deiner Strecke? „Eher nein, da ich unregelmässig unterwegs bin.“ 4)      Hattest Du schon einmal Kontakt zu Fremden? Wie lief das ab? „Ja, ich schau dem Gegenüber in die Augen und spür dann, ob der andere kommunizieren will, ich spüre die Verfassung des anderen...“   Versuchspersonen 3 und 4: Frauen, ca 25 Jahre alt, benutzen Smartphone, Zeitdauer ca. 20 Minuten Nach den ersten beiden Interviews wollte ich versuchen etwas mehr Dynamik zu erzeugen und dachte, dass ich das ev. schaffe, wenn ich zwei Freunde gleichzeitig das Experiment machen lasse, um zu sehen, was für eine Diskussion entsteht. Anmerkung: Der erste Kommentar nach der Erklärung des Experiments war: „Aber wir müssen jetzt nicht die Leute suchen?“. Weiterer Kommentar vor dem Experiment: „Tönt interessant.“ 1)      Wie ging es Euch im Experiment? „Überrascht, dass wir angesprochen werden. Ist selten. In Glarus ist es persönlicher als in Zürich. Wir fanden das Experiment interessant...waren aber froh, dass wir die Leute zu den Karten nicht suchen mussten.“  2)      Was ging Euch durch Deinen Kopf als Ihr wusstest, dass die Karten von Anwesenden sind? „gut! Lustiger Gedanke!“ 3)      Hat Euch eine Karte besonders gefallen? Welche? Warum? Habt Ihr eine Frage/Nachricht dazu aufgeschrieben? Frau 1: „die Gesichter“ 4)      Wie findet Ihr es so einen Blick in andere Pendler zu bekommen? Frau 1: „ich frage mich sonst auch, oder versuche zu erraten wo der jetzt hin geht, wie viel wir wohl gemeinsam haben...“ 5)      Stellt Euch vor Ihr fährt morgen wieder mit diesem Zug und den gleichen Pendlern. Hat sich etwas verändert? Was? Frau 1: „mich würde mehr Alltägliches interessieren. Die Karten sind etwas abstrakt, es ist schwer so eine Verbindung herzustellen zwischen Mensch und Karte.“ 6)      Habt Ihr eine eigene Karte gemacht? Darf ich Sie behalten und anderen Pendlern zeigen, so wie Euch jetzt? Wie bei allen, zu spontan. Frau 2 hat beim Karten anschauen gelacht und sich über Schreibfehler gewundert. Bei den Fragen war sie zurückhaltend. Ihr Kommentar dazu: Sie sei nicht so offen wie Ihre Freundin und suche den Kontakt zu anderen nicht aktiv. Generelle Fragen: 1)       Was machen Sie normalerweise im Zug? „Musik hören, lernen, lesen.“ 2)       Pendeln Sie? Strecke? „Glarnerland-Zug (an die PHZ).“ Ausnahme heute, da sie ans Oktoberfest nach München wollen. 3)       Gibt es Personen, die Sie immer wieder sehen auf Ihrer Strecke? „selten“.  4)       Hatten Sie schon einmal Kontakt zu Fremden? Wie lief das ab? „Nein, es gibt selten Gespräche. Manchmal redet man mit einer Kollegin und jemand drittes schaltet sich dann ein, das schon.“

Ergebnis des Experiments

Über das Experiment selbst

Für eine schnelle Zuordnung der Karten zu den Personen müsste zB das Bild eine Möglichkeit dazu bieten. ZB Tasche, die gerade dabei ist abbilden. Die Karten waren vmtl etwas abstrakt, abgehoben, um eine spontane Reaktion zu provozieren.

Über die Menschen und Kommunikation im Zug

Leute im Zug machen sich mehr Gedanken über andere als offensichtlich
  • Nehmen Stimmungen wahr
  • Ordnen ein (äusserlicher Eindruck, beim Tel. mit hören)
Leute finden es interessant etwas über andere zu erfahren und machen sich auch entsprechend schon Gedanken. Leute nehmen Kontakt auf, wenn sich eine Gelegenheit bietet Leute sind interessiert herauszufinden, welche Person zur Karte passt Leute würden sich am nächsten Tag etwas Zeit nehmen und genauer hinschauen, von wem eine Karte sein könnte. Ob direkt das Bedürfnis besteht einem Ersteller einer Karte eine Nachricht/Frage zu schreiben konnte noch nicht beantwortet werden. Ich denke, dazu müsste man eine sich repetierende Situation haben. Der Prototyp wird hier sicher hilfreich sein. Leute sind sich der seltsamen Situation im Zug bewusst Leute werden von Zeit zu Zeit aus ihrer Lethargie gerissen und zeigen Emotionen, oft genügt aber der Anlass nicht, um ein Gespräch zu vertiefen. Die Karten sind hier eine Möglichkeiten einen Anknüpfungspunkt zu bieten. Menschen sind neugierig und wollen mehr wissen, am besten unentdeckt. -> TV-Show Menschen würden auch selbst eine Karte gestalten, wenn sie Zeit hätten etwas nachzudenken. Es gibt Menschen, die keinen Kontakt wollen. Entweder absolut oder situationsbedingt. Das sollte man respektieren und entsprechend abbilden in der App.